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MSA2 — Verfahren 2

Gekreuzte/geschachtelte MSA, Prüfer × Teile, ANOVA

MSA 2 -- Messsystemanalyse Methode 2

Die MSA Methode 2 (auch bekannt als Verfahren 2 oder Gage R&R Studie) ist die umfassendste Methode der Messsystemanalyse. Sie bewertet die Wiederholbarkeit (Repeatability) und die Vergleichbarkeit (Reproducibility) eines Messsystems unter Berücksichtigung mehrerer Prüfer und mehrerer Teile.


Übersicht

Zweck und Einsatzgebiet

Die MSA 2 beantwortet die Frage: Wie groß ist der Anteil der Messstreuung an der Gesamtstreuung -- und woher stammt diese Streuung?

Während die MSA 1 nur die Wiederholpräzision eines einzelnen Prüfers an einem einzelnen Teil betrachtet, untersucht die MSA 2 das vollständige Messsystem bestehend aus:

  • Messgerät (Equipment Variation, EV)
  • Prüfer (Appraiser Variation, AV)
  • Wechselwirkung zwischen Prüfer und Teil (Interaction)

Versuchsdesigns

my8data unterstützt zwei verschiedene Versuchsdesigns für die MSA 2:

Gekreuztes Design (Crossed Design)

Im gekreuzten Design misst jeder Prüfer jedes Teil mehrfach. Dies ist das Standarddesign und wird in den meisten Fällen empfohlen.

Teil 1 Teil 2 Teil 3 ... Teil n
Prüfer A x Messungen x Messungen x Messungen ... x Messungen
Prüfer B x Messungen x Messungen x Messungen ... x Messungen
Prüfer C x Messungen x Messungen x Messungen ... x Messungen

Typische Konfiguration: 3 Prüfer, 10 Teile, 2-3 Wiederholungen = 60 bis 90 Messungen.

Tipp: Das gekreuzte Design liefert die vollständigsten Informationen, da Wechselwirkungen zwischen Prüfer und Teil erkannt werden können.

Geschachteltes Design (Nested Design)

Im geschachtelten Design misst jeder Prüfer eigene, unterschiedliche Teile. Die Teile werden also nicht von allen Prüfern gemessen.

Teile 1-3 Teile 4-6 Teile 7-9
Prüfer A x Messungen -- --
Prüfer B -- x Messungen --
Prüfer C -- -- x Messungen

Einsatzfälle für das geschachtelte Design:

  • Zerstörerische Prüfungen -- Wenn das Teil bei der Messung zerstört wird
  • Verbrauchende Prüfungen -- Wenn das Teil nach der Messung nicht mehr verfügbar ist
  • Große Teile -- Wenn der Transport zwischen Prüfern nicht praktikabel ist

Wichtig: Beim geschachtelten Design können keine Wechselwirkungen zwischen Prüfer und Teil berechnet werden, da kein Prüfer dasselbe Teil misst. Die Aussagekraft ist daher etwas eingeschränkt.

MSA 2 Versuchsdesign

Typischer Ablauf

  1. Versuchsdesign wählen (gekreuzt oder geschachtelt)
  2. Anzahl Prüfer, Teile und Wiederholungen festlegen
  3. Toleranzgrenzen eingeben
  4. Messungen durchführen und Messwerte eingeben
  5. Berechnung starten
  6. ANOVA-Ergebnisse und Kennwerte bewerten

Eingabe

Versuchsdesign konfigurieren

Vor der Dateneingabe legen Sie die Versuchsparameter fest:

Parameter Beschreibung Empfehlung
Designtyp Gekreuzt (Crossed) oder Geschachtelt (Nested) Gekreuzt, wenn möglich
Anzahl Prüfer Wie viele verschiedene Prüfer messen Mindestens 2, empfohlen 3
Anzahl Teile Wie viele verschiedene Teile gemessen werden Mindestens 5, empfohlen 10
Anzahl Wiederholungen Wie oft jeder Prüfer jedes Teil misst Mindestens 2, empfohlen 3
Obere Toleranzgrenze (OTG) Obere Spezifikationsgrenze Gemäß Zeichnung/Spezifikation
Untere Toleranzgrenze (UTG) Untere Spezifikationsgrenze Gemäß Zeichnung/Spezifikation

Messwerte eingeben

Die Eingabetabelle passt sich automatisch an die gewählte Konfiguration an:

  • Spalten repräsentieren die einzelnen Teile
  • Zeilen sind nach Prüfern gruppiert, mit den Wiederholungen als Unterzeilen

Tipp: Achten Sie beim gekreuzten Design darauf, dass die Prüfer die Teile in zufälliger Reihenfolge messen und keine Kenntnis der Messwerte der anderen Prüfer haben. Dies ist entscheidend für die Validität der Ergebnisse.

Info: Sie können Prüfernamen und Teilenummern individuell benennen. Standardmäßig werden Prüfer als "Prüfer A, B, C, ..." und Teile als "Teil 1, 2, 3, ..." bezeichnet.

MSA 2 Dateneingabe


ANOVA

Die ANOVA (Analysis of Variance, Varianzanalyse) ist das statistische Kernverfahren der MSA 2. Sie zerlegt die Gesamtstreuung in ihre einzelnen Komponenten.

ANOVA-Tabelle

Nach der Berechnung zeigt my8data die vollständige ANOVA-Tabelle an:

Quelle df SS MS F-Wert p-Wert
Teile (Parts) n-1 SS_Parts MS_Parts F_Parts p_Parts
Prüfer (Operators) k-1 SS_Operators MS_Operators F_Operators p_Operators
Wechselwirkung (Interaction) (n-1)(k-1) SS_Interaction MS_Interaction F_Interaction p_Interaction
Wiederholung (Repeatability) nk(r-1) SS_Repeat MS_Repeat -- --
Gesamt (Total) nkr-1 SS_Total -- -- --

Legende:
- df = Freiheitsgrade (degrees of freedom)
- SS = Quadratsumme (sum of squares)
- MS = Mittlere Quadratsumme (mean square)
- F-Wert = Prüfgröße des F-Tests
- p-Wert = Signifikanzniveau

Interpretation der ANOVA

Die ANOVA hilft Ihnen, folgende Fragen zu beantworten:

  • Ist die Prüfervariabilität signifikant? Wenn der p-Wert für "Prüfer" kleiner als 0.05 ist, unterscheiden sich die Prüfer signifikant voneinander. Maßnahmen: Schulung, standardisierte Arbeitsanweisungen.

  • Gibt es eine signifikante Wechselwirkung? Wenn der p-Wert für "Interaction" kleiner als 0.05 ist, messen bestimmte Prüfer bestimmte Teile systematisch anders. Dies kann auf unterschiedliche Messtechniken hindeuten.

  • Ist die Teile-Variation ausreichend? Die Teile sollten eine deutliche Variation aufweisen, damit die Studie aussagekräftig ist. Idealerweise decken die Teile mindestens 80 % der Toleranz ab.

Info: Wenn die Wechselwirkung nicht signifikant ist (p > 0.25), wird sie automatisch in die Wiederholung eingerechnet (gepooltes Modell). Dies erhöht die Genauigkeit der übrigen Schätzungen.

ANOVA-Tabelle MSA 2


Kennwerte

Aus der ANOVA werden die folgenden Kennwerte abgeleitet:

Varianzkomponenten

Kennwert Abkürzung Beschreibung
Equipment Variation EV Streuung durch das Messgerät (Wiederholbarkeit). Anteil der Messvariation, der auf das Messgerät selbst zurückzuführen ist.
Appraiser Variation AV Streuung durch die Prüfer (Vergleichbarkeit). Anteil der Messvariation, der durch unterschiedliche Prüfer entsteht.
Gage R&R GRR Gesamte Messgerätestreuung (EV + AV). Kombination aus Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit.
Part Variation PV Streuung der Teile. Repräsentiert die tatsächliche Variation der gemessenen Teile.
Total Variation TV Gesamtvariation (GRR + PV).

Prozentuale Anteile

Die Kennwerte werden als prozentuale Anteile bezogen auf die Toleranz (%Toleranz) und bezogen auf die Gesamtvariation (%Beitrag) dargestellt:

Kennwert Akzeptabel (grün) Grenzwertig (gelb) Nicht akzeptabel (rot)
%GRR (Toleranz) <= 10 % 10 % -- 30 % > 30 %
%GRR (Beitrag) <= 1 % 1 % -- 9 % > 9 %
%EV Kleiner Anteil an GRR -- Dominiert GRR
%AV Kleiner Anteil an GRR -- Dominiert GRR

Number of Distinct Categories (ndc)

Der ndc-Wert gibt an, wie viele unterscheidbare Kategorien das Messsystem innerhalb der Prozessstreuung unterscheiden kann.

ndc Bewertung
>= 5 Das Messsystem kann den Prozess ausreichend auflösen.
3 -- 4 Eingeschränkte Auflösung. Für grobe Einschätzungen verwendbar.
< 3 Das Messsystem ist ungeeignet. Es können keine sinnvollen Unterscheidungen getroffen werden.

Wichtig: Ein ndc-Wert kleiner als 5 bedeutet, dass das Messsystem nicht in der Lage ist, Gut- und Schlechtteile zuverlässig zu unterscheiden. In diesem Fall sind Maßnahmen zur Verbesserung des Messsystems dringend erforderlich.

Verbesserungsmaßnahmen

Je nachdem, ob EV oder AV den größeren Anteil am GRR hat, unterscheiden sich die empfohlenen Maßnahmen:

Problembereich Mögliche Ursachen Maßnahmen
EV dominiert (Messgerät) Verschleiß, mangelnde Auflösung, ungeeignetes Messprinzip, Umgebungseinflüsse Messgerät warten/ersetzen, höhere Auflösung wählen, Umgebungsbedingungen stabilisieren
AV dominiert (Prüfer) Unterschiedliche Messtechniken, mangelnde Schulung, unklare Anweisungen Prüfer schulen, Messanweisungen standardisieren, Vorrichtungen einsetzen
Wechselwirkung signifikant Prüferabhängige Handhabung bestimmter Teilegeometrien Messtechnik vereinheitlichen, Vorrichtungen einsetzen

Tipp: Betrachten Sie immer sowohl die prozentualen Anteile als auch den ndc-Wert. Ein Messsystem mit einem %GRR knapp über 10 % aber einem ndc >= 5 kann unter Umständen noch akzeptabel sein, wenn zusätzliche organisatorische Maßnahmen getroffen werden.

Kennwerte MSA 2

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