MSA 7A — Attributive MSA für Prüfautomaten
Die MSA 7A ist eine MSA 7 für automatisierte Prüfsysteme (Prüfautomaten). Während die MSA 7 die Übereinstimmung zwischen mehreren menschlichen Prüfern untersucht, bewertet die MSA 7A die Wiederholbarkeit und Korrektheit eines Prüfautomaten — also eines einzelnen automatisierten Systems, das Gut/Schlecht-Entscheidungen trifft.
Übersicht
Zweck und Einsatzgebiet
Die MSA 7A wird eingesetzt, wenn ein automatisiertes Prüfsystem (Prüfautomat) attributive Bewertungen vornimmt und dessen Fähigkeit nachgewiesen werden soll. Typische Anwendungsfälle:
- Kamerabasierte Prüfsysteme — Automatische optische Inspektion (AOI)
- Sortierautomaten — Automatische Gut/Schlecht-Sortierung
- Inline-Prüfstationen — Automatisierte 100 %-Prüfung in der Fertigung
- Automatische Rissprüfung — Wirbelstrom- oder Ultraschallprüfgeräte
- Robotergestützte Prüfung — Automatisierte Oberflächeninspektion
Da bei einem Prüfautomaten kein Einfluss durch verschiedene Prüfer besteht, entfällt die Analyse der Vergleichbarkeit zwischen Prüfern. Stattdessen wird mit 6 Durchläufen (statt 3 × 3 Prüfer) die Wiederholbarkeit des Automaten geprüft.
Abgrenzung zur MSA 7
| Eigenschaft | MSA 7 | MSA 7A |
|---|---|---|
| Einsatzgebiet | Manuelle attributive Prüfung durch Personen | Automatisierte Prüfung durch Prüfautomat |
| Prüfer | 3 Prüfer (A, B, C) | 1 Prüfautomat |
| Durchläufe | 3 Durchläufe pro Prüfer | 6 Durchläufe (A1–A6) |
| Datenspalten | 9 (A1–A3, B1–B3, C1–C3) + Referenz | 6 (A1–A6) + Referenz |
| Ergebniskategorien | 8 (AA, BB, CC, PP, AR, BR, CR, PR) | 2 (AA, AR) |
| Vergleichbarkeit zwischen Prüfern | Wird analysiert (PP, BB, CC) | Entfällt — nur 1 Automat |
| Fokus | Wiederholbarkeit + Vergleichbarkeit + Korrektheit | Wiederholbarkeit + Korrektheit |
Typischer Ablauf
- Teile auswählen (gute, schlechte und Grenzteile)
- Referenzbewertung für jedes Teil festlegen
- Alle Teile 6-mal durch den Prüfautomaten laufen lassen
- Bewertungen in my8data eingeben
- Berechnung starten
- Ergebnisse interpretieren
Info: Die 6 Durchläufe ersetzen die 3 × 3 Prüfer-Durchläufe der MSA 7. Dadurch wird die statistische Aussagekraft für die Wiederholbarkeit des Automaten erhöht, obwohl nur ein „Prüfer" beteiligt ist.
Eingabe
Konfiguration
Die Konfiguration der MSA 7A ist auf einen einzelnen Prüfautomaten ausgelegt:
| Feld | Beschreibung | Hinweis |
|---|---|---|
| Prüfautomat | Bezeichnung des automatisierten Prüfsystems | z. B. "AOI-Station 3" oder "Sortierautomat LK-200" |
| Bewertungskategorien | Die möglichen Bewertungen | Typischerweise binär: "i.O." / "n.i.O." (gut/schlecht) |
| Referenzbewertung | Bekannte korrekte Bewertung pro Teil | Erforderlich für die Korrektheitsanalyse |
Info: Das Feld „Prüfautomat" ersetzt die drei Prüferfelder der MSA 7. Es wird die Bezeichnung des automatisierten Prüfsystems eingetragen.
Datentabelle
Die Datentabelle hat folgende Spalten:
| Spalte | Beschreibung |
|---|---|
| Teil | Bezeichnung oder Nummer des Prüfteils |
| A1 | Bewertung im 1. Durchlauf |
| A2 | Bewertung im 2. Durchlauf |
| A3 | Bewertung im 3. Durchlauf |
| A4 | Bewertung im 4. Durchlauf |
| A5 | Bewertung im 5. Durchlauf |
| A6 | Bewertung im 6. Durchlauf |
| Referenz | Referenzbewertung (bekannter korrekter Wert) |
Jede Zeile entspricht einem Teil. Tragen Sie für jeden Durchlauf die Bewertung des Prüfautomaten ein (z. B. 1 = i.O., 0 = n.i.O.).
Tipp: Nutzen Sie die Dropdown-Auswahl in den Zellen, um konsistente Eingaben sicherzustellen. Alternativ können Sie Daten per Copy & Paste aus Excel einfügen.
Empfehlungen zur Teileauswahl
Die Teileauswahl ist entscheidend für eine aussagekräftige MSA 7A:
- Wählen Sie Teile, die den gesamten Bewertungsbereich abdecken — eindeutig gute, eindeutig schlechte und Grenzteile.
- Grenzteile sind besonders wichtig: Sie zeigen, wie zuverlässig der Automat an der Entscheidungsgrenze arbeitet.
- Vermeiden Sie eine Auswahl, die nur aus offensichtlich guten oder schlechten Teilen besteht.
Warnung: Eine Teileauswahl ohne Grenzfälle führt zu überhöhten Übereinstimmungsraten und täuscht eine bessere Prüffähigkeit vor, als tatsächlich vorhanden ist. Dies gilt für Prüfautomaten genauso wie für manuelle Prüfungen.
Ergebnisse
Ergebniskategorien
Die MSA 7A liefert zwei Ergebniskategorien — deutlich kompakter als die acht Kategorien der MSA 7:
| Kategorie | Beschreibung | Was wird geprüft? |
|---|---|---|
| AA — Wiederholbarkeit | Übereinstimmung des Automaten mit sich selbst über die 6 Durchläufe | Bewertet der Automat dasselbe Teil bei jedem Durchlauf gleich? |
| AR — Korrektheit | Übereinstimmung des Automaten mit der Referenzbewertung | Bewertet der Automat die Teile gemäß dem Referenzstandard? |
Für jede Kategorie werden folgende Kennwerte berechnet:
| Kennwert | Beschreibung |
|---|---|
| Kappa (K) | Fleiss' Kappa-Wert — Maß für die Übereinstimmung (bereinigt um Zufall) |
| Anzahl richtig | Absolute Anzahl korrekter Übereinstimmungen |
| Anzahl geprüft | Gesamtzahl der geprüften Vergleiche |
| Prozent richtig | Prozentuale Übereinstimmungsrate |
| KI Low / KI High | 95 %-Konfidenzintervall des Kappa-Werts |
Bewertungstabelle
| Kappa-Wert | Bewertung | Bedeutung |
|---|---|---|
| ≥ 0,75 | Gut (grün) | Prüfautomat arbeitet zuverlässig |
| 0,40 – 0,74 | Bedingt akzeptabel (gelb) | Verbesserungen empfohlen |
| < 0,40 | Nicht akzeptabel (rot) | Prüfautomat ist nicht fähig |
Interpretation der Ergebnisse
AA — Wiederholbarkeit:
- Hoher Kappa-Wert → Der Automat liefert bei Wiederholmessungen konsistente Ergebnisse.
- Niedriger Kappa-Wert → Der Automat bewertet dasselbe Teil in verschiedenen Durchläufen unterschiedlich. Mögliche Ursachen: instabile Sensorik, schwankende Beleuchtung, mechanische Ungenauigkeiten.
AR — Korrektheit:
- Hoher Kappa-Wert → Der Automat stimmt mit der Referenzbewertung überein.
- Niedriger Kappa-Wert → Der Automat weicht systematisch von der Referenz ab. Mögliche Ursachen: falsch eingestellte Schwellenwerte, veraltete Prüfprogramme, verschmutzte Sensorik.
Tipp: Wenn die Wiederholbarkeit (AA) gut, aber die Korrektheit (AR) schlecht ist, muss der Prüfautomat neu kalibriert oder die Entscheidungsgrenze angepasst werden. Wenn beide Werte schlecht sind, liegt ein grundlegendes Problem mit der Messeinrichtung vor.
Fehleranalyse
Untersuchen Sie bei schlechten Ergebnissen gezielt die einzelnen Teile:
- Fehlschlupf (falsch akzeptiert): Der Automat bewertet ein schlechtes Teil als gut → Risiko für fehlerhafte Auslieferung.
- Falschalarm (falsch abgelehnt): Der Automat bewertet ein gutes Teil als schlecht → Unnötiger Ausschuss, höhere Kosten.
Wichtig: Bei einem Ergebnis „bedingt fähig" oder „nicht fähig" sollten Sie folgende Maßnahmen prüfen:
- Prüfprogramm und Schwellenwerte überprüfen und nachkalibrieren
- Sensorik reinigen und Zustand prüfen
- Beleuchtung und Umgebungsbedingungen stabilisieren
- Referenzmuster aktualisieren
- Mechanische Positionierung und Aufspannung prüfen
Info: Die Ergebnisse der MSA 7A können wie alle anderen Analysen in my8data gespeichert, exportiert und geteilt werden. Nutzen Sie den Excel-Export für die Dokumentation im Qualitätsmanagement-System.