my8data

MSA3 — Verfahren 3

MSA2 für automatisierte Messsysteme (1 Prüfer, 25 Teile, 6 Messungen)

MSA 3 — Verfahren 3 (Automatisierte Messsysteme)

Die MSA 3 ist eine MSA 2 für automatisierte Messsysteme, z. B. Koordinatenmessmaschinen (KMM), optische Messmaschinen oder Messroboter. Da bei automatisierten Messsystemen kein Einfluss durch verschiedene Prüfer besteht, wird nur ein Prüfer (das Messgerät selbst) benötigt. Stattdessen liegt der Fokus auf der Wiederholbarkeit (Equipment Variation) des Messsystems über eine größere Stichprobe.


Übersicht

Zweck und Einsatzgebiet

Die MSA 3 wird eingesetzt, wenn das Messsystem automatisiert arbeitet und der Bediener keinen oder nur minimalen Einfluss auf das Messergebnis hat. Typische Anwendungsfälle:

  • Koordinatenmessmaschinen (KMM) — CNC-gesteuerte 3D-Messgeräte
  • Optische Messmaschinen — Kamerasysteme, Laservermessung
  • Messroboter — Automatisierte Inline-Messstationen
  • Automatisierte Prüfstände — Serienbegleitende Messeinrichtungen

Da bei diesen Systemen die Vergleichbarkeit zwischen Prüfern (AV) nicht relevant ist, entfällt dieser Varianzanteil. Die Analyse konzentriert sich vollständig auf die Wiederholbarkeit (EV) des Messsystems.

Abgrenzung zur MSA 2

Eigenschaft MSA 2 MSA 3
Einsatzgebiet Manuelle Messsysteme mit mehreren Prüfern Automatisierte Messsysteme (Messmaschinen)
Prüfer 3 Prüfer 1 Prüfer (Automat)
Teile 10 Teile 25 Teile
Messungen pro Teil 3 Messungen × 3 Prüfer = 9 6 Messungen × 1 Prüfer = 6
Varianzkomponenten EV + AV + Interaktion Nur EV (keine AV, keine Interaktion)
Fokus Wiederholbarkeit + Vergleichbarkeit Nur Wiederholbarkeit
ANOVA-Modell Teil + Prüfer + Teil×Prüfer + Rest Teil + Rest (vereinfacht)

Typischer Ablauf

  1. 25 Teile auswählen, die den Toleranzbereich abdecken
  2. Referenzwerte und Toleranzgrenzen festlegen
  3. Jedes Teil 6-mal mit dem automatisierten Messsystem messen
  4. Messdaten in my8data eingeben
  5. Berechnung ausführen und Kennwerte auswerten

Info: Die MSA 3 nutzt 25 Teile statt 10 (wie bei der MSA 2), da automatisierte Systeme eine größere Stichprobe effizient verarbeiten können und dies die statistische Aussagekraft der Wiederholbarkeitsbewertung erhöht.


Eingabe

Stammdaten

Vor der Dateneingabe legen Sie die Stammdaten fest:

Feld Beschreibung Hinweis
Prüfer Bezeichnung des Messsystems / der Messmaschine z. B. "KMM-001" oder "Zeiss Contura"
Referenzwert Bekannter wahrer Wert des Merkmals Muss durch übergeordnetes Messmittel bestimmt sein
Obere Toleranzgrenze (OTG) Obere Spezifikationsgrenze Gemäß Zeichnung
Untere Toleranzgrenze (UTG) Untere Spezifikationsgrenze Gemäß Zeichnung

Info: Im Feld „Prüfer" wird bei der MSA 3 die Bezeichnung des automatisierten Messsystems eingetragen — nicht der Name eines Bedieners, da es nur einen „Prüfer" (die Maschine) gibt.

Messdaten eingeben

Die Datentabelle hat 6 Spalten (Messung 1 bis Messung 6) und 25 Zeilen (Teile):

Spalte Beschreibung
Messung 1 Erste Messung jedes Teils
Messung 2 Zweite Messung jedes Teils
Messung 3 Dritte Messung jedes Teils
Messung 4 Vierte Messung jedes Teils
Messung 5 Fünfte Messung jedes Teils
Messung 6 Sechste Messung jedes Teils

Jede Zeile entspricht einem Teil. Alle 25 Teile werden jeweils 6-mal gemessen.

Tipp: Die Tabelle erlaubt das Einfügen zusätzlicher Zeilen, falls mehr als 25 Teile gemessen werden sollen. Nutzen Sie Copy & Paste (Strg+C / Strg+V), um Messdaten aus Excel zu übertragen.

Warnung: Stellen Sie sicher, dass alle Messungen unter gleichen Bedingungen durchgeführt werden (gleiche Aufspannung, gleiches Messprogramm, gleiche Umgebungsbedingungen). Nur so ist die Wiederholbarkeit des Messsystems korrekt bewertbar.

Hinweise zur Versuchsdurchführung

  • Gleiche Messbedingungen: Alle Messungen sollten mit demselben Messprogramm und denselben Einstellungen erfolgen.
  • Randomisierung: Messen Sie die Teile in zufälliger Reihenfolge, um systematische Drift-Effekte zu erkennen.
  • Aufspannung: Jedes Teil muss für jede Wiederholmessung neu aufgespannt werden, um den realen Messprozess abzubilden.

Kennwerte

Varianzkomponenten

Da bei der MSA 3 nur ein Prüfer (die Messmaschine) beteiligt ist, vereinfacht sich die Varianzzerlegung:

Varianzkomponente Beschreibung MSA 3
EV (Equipment Variation) Streuung durch das Messgerät (Wiederholbarkeit) Wird berechnet — Hauptkennwert
AV (Appraiser Variation) Streuung durch verschiedene Prüfer (Vergleichbarkeit) Entfällt (immer 0) — nur 1 Prüfer
Interaktion (Teil × Prüfer) Wechselwirkung zwischen Teil und Prüfer Entfällt — nur 1 Prüfer
PV (Part Variation) Streuung zwischen den Teilen Wird berechnet
GRR Gesamte Messsystemstreuung = EV (da AV = 0)

ANOVA-Ergebnisse

Die ANOVA der MSA 3 verwendet ein vereinfachtes Modell ohne Prüfer- und Interaktionseffekte:

Quelle Beschreibung
Teil Varianzanteil durch die Unterschiede zwischen den 25 Teilen
Residuen Varianzanteil durch die Wiederholmessungen (= Equipment Variation)

Info: Im Vergleich zur MSA 2 entfallen die Zeilen „Prüfer" und „Teil × Prüfer" in der ANOVA-Tabelle. Das ANOVA-Modell ist dadurch einfacher und direkter interpretierbar.

Kennwertübersicht

Kennwert Beschreibung Bewertung
%EV Anteil der Gerätestreuung an der Toleranz Je kleiner, desto besser
%GRR Gesamtanteil der Messsystemstreuung (= %EV bei MSA 3) ≤ 10 %: fähig, 10–30 %: bedingt fähig, > 30 %: nicht fähig
%PV Anteil der Teilestreuung Sollte den größten Anteil ausmachen
ndc Anzahl unterscheidbarer Kategorien ≥ 5: ausreichend

Bewertungskriterien

Bewertungsbereich Kriterium Maßnahme
%GRR ≤ 10 % Messsystem fähig Messsystem ist für den vorgesehenen Zweck geeignet
10 % < %GRR ≤ 30 % Bedingt fähig Verbesserungen empfohlen — Messprogramm optimieren, Aufspannung prüfen
%GRR > 30 % Nicht fähig Messsystem überprüfen, kalibrieren oder ersetzen

Diagramme

Die MSA 3 stellt zwei Diagramme zur Verfügung:

  1. Boxplot nach Teilen — Zeigt die Streuung der 6 Messungen pro Teil. Hilft zu erkennen, ob bestimmte Teile stärker streuen als andere.
  2. GRR-Bewertungsdiagramm — Balkendiagramm mit den Varianzanteilen (EV, PV) und farblicher Bewertung.

Info: Im Vergleich zur MSA 2 fehlen die Diagramme „Interaktionsplot" und „Boxplot nach Prüfer", da diese bei nur einem Prüfer nicht sinnvoll sind.

Tipp: Wenn die Wiederholbarkeit (EV) zu hoch ist, prüfen Sie folgende mögliche Ursachen: Verschleiß am Messtaster, ungenaue Aufspannung, Temperaturschwankungen, Vibrationen oder ein veraltetes Messprogramm.

Jetzt selbst ausprobieren

Erstellen Sie Ihre eigenen MSA-, SPC- und Fähigkeitsanalysen mit my8data — der webbasierten Plattform für Qualitätsmanagement.

Jetzt registrieren